Studienführer Erziehungswissenschaften

Kinder malen mit Erzieher im Kindergarten

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Erziehungswissenschaften und Pädagogik zählen zu den beliebtesten Studiengängen. Es gibt feine Unterscheide und noch mehr Gemeinsamkeiten. Oft werden daher beide miteinander vereint und als Studiengang „Erziehungswissenschaften und Pädagogik“ (oder andersherum) angeboten. Zunächst wollen wir in diesem Studienführer allerdings auf die Anforderungen, die ihr vor Studienbeginn erfüllen solltet, eingehen.

1. Anforderungen an den Studenten

Erziehungswissenschaften und Pädagogik studieren ist sowohl mit als auch ohne Abitur möglich. Wie das funktioniert, welchen NC man braucht und was sonst noch für einen guten Studienstart wichtig ist, lest ihr hier.

Zugangsvoraussetzungen

Erziehungswissenschaften und Pädagogik werden als Studium sowohl an Universitäten als auch an Fachhochschulen angeboten. Für ein Hochschulstudium benötigt ihr eine Hochschulzugangsberechtigung. Dabei kann es sich klassischerweise um das Abitur oder auch die fachgebundene Hochschulreife und die Fachhochschulreife handeln. Letztere ermöglicht streng genommen nur das Studium an einer FH, inzwischen ist es damit in einigen Bundesländern auch möglich, an einer Universität zu studieren. FHR-Absolventen sollten sich, wenn sie lieber an einer Uni studieren möchten, also durchaus informieren, ob das an der Uni ihrer Wahl möglich ist.

Alternativ ist auch der Hochschulzugang ohne Abitur möglich, inzwischen haben alle Bundesländer diese Regeln gelockert. Dann wird in der Regel eine abgeschlossene Berufsausbildung, z.B. als ErzieherIn, mit anschließender Berufserfahrung erwartet. Manchmal reicht auch nur die Berufspraxis über einige Jahre, wobei auch Zeiten der häuslichen Kindererziehung oder die Vollzeit-Pflege Angehöriger grundsätzlich anrechenbar sein können. Doch auch hier gibt es von Hochschule zu Hochschule bzw. von Bundesland zu Bundesland Unterschiede in den Voraussetzungen.

NC beim Pädagogik-Studium

Der Numerus Clausus für ein Pädagogik/Erziehungswissenschafts-Studium lag in den letzten Semestern etwa zwischen 2,0 und 3,2, die durchschnittlichen Wartesemester 5. Nur vereinzelt gab es Ausreißer nach oben oder unten. Der härteste NC im Wintersemester 2015/16 lag mit 1,5 an der FU Berlin. Mit satten 12 Wartesemestern hatten auch Bewerber mit einem Schnitt von 2,8 eine Chance.

An anderen Hochschulen wiederum konnten auf Anhieb alle Bewerber zugelassen werden, beispielsweise an der Uni Bonn.

Vorkenntnisse und fachliche Interessen

Für das Studium solltet ihr natürlich Interesse an pädagogischen und erziehungswissenschaftlichen Inhalten mitbringen. Dabei solltet ihr euch aber bewusst sein, dass ihr nicht nur praktischen Inhalten, sondern auch viel trockener Theorie und auch geschichtlichen Entwicklungen begegnen werdet. Damit verbunden ist auch viel Lernarbeit. Es handelt sich um ein wissenschaftlich geprägtes Studium – wer direkt in den Berufsalltag eindringen will, könnte auch an einer Berufsausbildung in diesem Bereich Gefallen finden. Gute Englischkenntnisse sind ebenfalls nicht verkehrt, denn Fachlektüre ist oft nicht auf Deutsch verfügbar.

Außerdem sollten sich Studieninteressierte darüber im Klaren sein, dass der spätere Berufsalltag sehr stressig werden kann. Nicht immer geht es um das reine „Menschen-helfen“ oder „Kinder erziehen“ – je nachdem, in welchem Bereich ihr tätig werdet, könnt ihr auch mit schweren Problemen konfrontiert werden. Die Bezahlung in sozialen oder erzieherischen Berufen ist zudem nicht sehr hoch. Wer seinen Beruf liebt, kann gut damit leben. Für reine Karrieremenschen hingegen ist die Studienrichtung aus diesem Grund allerdings eher weniger geeignet.

2. Inhalte im Studium

Erziehungswissenschaft und Pädagogik sind den meisten Studieninteressierten keine Fremdworte mehr. Doch was konkret sie erwartet, ist oft bis in die ersten Semester hinein unklar. Deshalb wollen wir an dieser Stelle zunächst eine begriffliche Abgrenzung treffen und dann beispielhaft auf mögliche Inhalte in eurem Studium eingehen.

Unterschiede bei Erziehungwissenschaft und Pädagogik

Oft werden beide Begriffe synonym verwendet, verwechselt oder nicht näher betrachtet. Tatsächlich handelt es sich nicht um zwei komplett voneinander verschiedene Wissenschaften. Trotzdem gibt es Unterschiede: Die Erziehungswissenschaft gilt als eher theoretisch und forschungsbezogen. Sie beobachtet und beschreibt mehr, was während der Erziehung geschieht. Pädagogik hingegen greift auch in diese Erziehung ein und beschreibt, wie erzogen werden soll. Eine Ergänzung von Erziehungswissenschaftlichen mit pädagogischen Inhalten und umgekehrt ist daher durchaus sinnvoll und in nahezu jedem Studiengang in dieser Richtung vorzufinden.

Inhaltliche Gestaltung des Studiums

Grundfragen der Pädagogik, Bildungs-, Erziehungs- und Sozialisationstheorien sowie die pädagogische Praxis bilden die Grundpfeiler des Studiums. Sowohl das Arbeiten mit Kindern als auch mit Erwachsenen spielen eine Rolle. Dabei werden sowohl historische Entwicklungen als auch ganz moderne Inhalte aufgegriffen, z.B. mediengestütztes Lernen.

Beispielhafte Module, wie sie euch im Studium begegnen können, sind:

  • Einführung in die Erziehungswissenschaft
  • Lebenslanges Lernen und Sonderpädagogik
  • Historische und vergleichende Bildungsforschung
  • Bildung und Gesellschaft
  • Pädagogisches Handeln
  • Erziehungswissenschaftliches Forschen / Forschungsmethoden
  • Didaktik
  • Kommunikation und Beratung
  • Soziologie
  • Psychologische Grundlagen
  • Entwicklung und Erziehung

Darüber hinaus können auch wirtschafts- und rechtswissenschaftliche Kompetenzen das Curriculum ergänzen.

Spezialisierung im Studium

Während euch die ersten Semester die Grundlagen des Studienfachs nahebringen, erfolgt im Hauptstudium in der Regel eine Spezialisierung. Hierfür könnt ihr aus dem Angebot der jeweiligen Uni eine Richtung wählen, die euch liegt. Möglich sind zum Beispiel Allgemeine Erziehungswissenschaft, Sonderpädagogik, Medienpädagogik oder Sozialpädagogik.

Wenn ihr jetzt schon wisst, welche Richtung euch besonders interessiert, ist es ratsam, danach auch die Wahl der Hochschule zu treffen.

Alternative Studiengänge

Neben dem klassischen Pädagogik/Erziehungswissenschaften-Studium gibt es auch noch eine ganze Reihe verwandter Studiengänge. Diese haben auch zahlreiche pädagogische bzw. erziehungswissenschaftliche Inhalte, sehen aber meist bereits ab dem ersten Semester eine Spezialisierung in Richtung eines bestimmten Schwerpunktes vor. Wenn ihr schon genau wisst, in welchem Bereich ihr nach dem Studium einmal arbeiten wollt, lohnt es sich, über solch ein Studium nachzudenken. Beispiele sind:

  • Medizinpädagogik
  • Soziale Arbeit
  • Kindheitspädagogik
  • Pädagogische Psychologie
  • Elementarpädagogik
  • Religionspädagogik
  • Pflegepädagogik
  • Sozialmanagement
  • Lehramt (mit den Fächern, die ihr später unterrichten wollt).

3. Ablauf des Erziehungswissenschaften-Studiums

Das Studium der Erziehungswissenschaften und Pädagogik umfasst eine Regelstudienzeit von 6 Monaten bis zum Bachelor. Manchmal sind es auch 7, insbesondere an Fachhochschulen, die ein Praxissemester vorsehen. So läuft die Studienzeit ab:

Aufbau des Studiums

Das Studium besteht aus einem Grundstudium und dem Hauptstudium. Im Grundstudium werden weitestgehend die Grundlagen vermittelt, im Hauptstudium folgt die Vertiefung bzw. Spezialisierung.

Beide Etappen sind modularisiert aufgebaut. Module sind in sich geschlossene und abprüfbare Einheiten. Pro Semester belegt ihr mehrere dieser Module parallel. Einige Module sind verpflichtend vorgeschrieben, andere wählt ihr mehr oder weniger frei aus dem Wahlpflichtmodul-Angebot der Hochschule.

Praxisanteile und Lehrmethoden

Wenn ein Praxissemester vorgesehen ist, dann wird dieses meistens gegen Ende des Studiums absolviert. Das ist aber nicht an allen Hochschulen der Fall.

Weitaus öfter sind mehrwöchige Praktika in pädagogischen Einrichtungen Teil des Studiums. Sie dienen nicht nur der Anwendung des Gelernten in der Praxis und dem Sammeln von Berufserfahrung, sondern helfen euch auch bei der weiteren Studienplanung: Nur wer Praxisluft schnuppert, weiß frühzeitig, in welchem Bereich er später arbeiten möchte und wie er seine Studienentscheidungen dafür treffen sollte. Dauer und Zeitpunkt der Praktika legen die einzelnen Hochschulen unterschiedlich fest.

Neben diesen externen Praxisphasen und den klassischen Vorlesungen im Hörsaal sind aber auch weitere Lehrmethoden Teil des Studiums. Dazu zählen Seminare und Workshops, das Lernen in Gruppen sowie Projektmitarbeiten.

Abschluss des Studiums

Im letzten Semester steht noch das Schreiben eurer Bachelor-Arbeit an. Das Studium wird bei Bestehen der Thesis mit dem Bachelor of Arts oder dem Bachelor of Science abgeschlossen. Im Anschluss könnt ihr bei entsprechenden Leistungen noch ein Master-Studium beginnen, welches wiederum mit dem Master of Arts oder Master of Science abgeschlossen wird.

Dies ist immer abhängig vom jeweiligen Master-Studiengang und nicht mit eurem vorherigen Bachelor verknüpft. Wer also zunächst den Bachelor of Arts erworben hat, kann danach auch einen Master of Science statt einen Master of Arts machen und andersherum.

4. Berufliche Perspektiven, Einkommen und Weiterbildung

Erziehungswissenschaft und Pädagogik zählen zu den beliebtesten Studiengängen in Deutschland. Gleichzeitig haben allerdings die Perspektiven nach dem Studium einen schlechten Ruf, weshalb viele Interessenten und Studierende fürchten, sich mit dem Studium nichts Gutes für ihre Zukunft zu tun. Ganz so düster sieht es allerdings nicht aus. Wichtig ist jedoch, dass ihr viel Praxiserfahrung sammelt, eure Kompetenzen klar herausarbeitet und flexibel seid.

Mögliche Berufsfelder als Erziehungswissenschaftler

Das Studium bildet eine solide Grundlage für die Ausübung verschiedener Berufe, in denen oft und fortwährend Mitarbeiter benötigt werden. Bereiche und Tätigkeiten, die für euch nach dem Studium infrage kommen können, sind:

  • Kinder- und Jugendarbeit, zum Beispiel in Kindergärten Schulen oder Jugendzentren
  • Integration
  • Erwachsenenbildung und Weiterbildung
  • Senioren- und Pflegeheime
  • Sozialpolitik
  • Kirchen und Gewerkschaften, Verbände und Stiftungen
  • Einrichtungen für geistig und/oder körperlich Behindere
  • Beratungseinrichtungen (z.B. Schwangerschaftskonfliktberatung)
  • Personalwesen
  • Bewerbungstraining, berufliche Wiedereingliederung
  • Öffentlichkeitsarbeit und PR
  • Tourismus

Je nachdem, in welchem Bereich ihr welche Tätigkeit ausüben wollt, sind Zusatzkenntnisse bzw. nachweisbare Qualifikationen wichtig. Im Personalwesen sind beispielsweise kaufmännische und EDV-Kenntnisse von Vorteil. In Heimen und Pflegeeinrichtungen sind therapeutische Zusatzqualifikationen wertvoll, im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und PR journalistische Erfahrungen.

Bevor ihr euch solche Zusatzqualifikationen aneignet, solltet ihr jedoch gut überlegen, ob diese euch weiterbringen. Überqualifikation oder weit verstreute Qualifikationen in verschiedene Bereichen können sich auch nachteilig auf eure Chancen auf dem Arbeitsmarkt auswirken. „Viel hilft viel“ sollte daher nicht die Devise sein, sondern gezielte Schärfung eurer Kompetenzen.

Gehalt als Pädagogik/Erziehungswissenschaften-Absolvent

Dass Absolventen im Bereich Erziehungswissenschaften und Pädagogik (oder allgemein den Geistes- und Sozialwissenschaften) nicht zu den Berufsgruppen mit den höchsten Einstiegsgehältern gehören, ist euch wahrscheinlich schon bewusst. Wie eingangs erwähnt solltet ihr das Studium daher aus Leidenschaft und nicht primär aus Karrieregründen beginnen.

Die Einstiegsgehälter bewegen sich bei rund 2.400 Euro brutto im Monat. Im öffentlichen Dienst und mit dem Master kann es auch auf 4.000 bis 5.000 Euro brutto monatlich klettern. Spitzenverdiener sind jedoch eher die Ausnahme als die Regel.

5. Studiengang finden

Pädagogik und Erziehungswissenschaften Studiengänge sowie ähnliche Studienfächer als Alternative könnt ihr in unserem Studiengangsverzeichnis suchen (und finden!).